Quarzfeinstaub auf Baustellen – die unterschätzte Gefahr!

Quarz ist ein wesentlicher Baustein unseres modernen Lebens und ein wichtiger Rohstoff für die produzierende Industrie. In unserem Alltag ist Quarz in zahlreichen Erzeugnissen zu finden. Der Kontakt mit diesem Mineral ist völlig unbedenklich. Erst wenn quarzhaltige Minerale oder Gesteine zerkleinert, gemahlen oder gebohrt werden, entwickeln sich feinste Staubpartikel, die man als Quarzfeinstaub bezeichnet. Lesen Sie in unserem Blogbeitrag, welches Gefahrenpotenzial Quarzfeinstaub speziell für Beschäftigte im Baugewerbe birgt.

Quarz ist allgegenwärtig

Quarzhaltige Produkte werden in verschiedenster Form eingesetzt, unter anderem bei der Produktion von Glaswolle, Keramik oder Chemikalien, aber auch in Straßen und natürlich in unseren Wohnungen oder Häusern. Quarz ist eine Grundkomponente bei der Herstellung nahezu aller Produkte, die wir im täglichen Leben verwenden.

Quarz – ein krebserzeugender Arbeitsstoff

Beim Bohren, Schneiden, Fräsen oder Kehren auf Baustellen handelt es sich meist um den sogenannten Mischstaub. Wenn in den Materialien allerdings ein Quarzgestein enthalten ist, dann beinhaltet dieser Mischstaub auch Quarzstaub. Wenn man über viele Jahre hinweg hohe Mengen dieser Feinstaubpartikel regelmäßig einatmet, dann kann dies zu Entzündungen in der Lunge führen, die unter Umständen Silikose (auch Quarzstaublunge genannt) verursachen kann. Schwere Silikose-Fälle können in der Folge zu Lungenkrebs führen. Die Erkrankungen treten oft erst nach Jahrzehnten auf.

Röntgenaufnahme einer Person mit weit fortgeschrittener Silikose
Die Abbildung zeigt die Röntgenaufnahme einer Person mit weit fortgeschrittener Silikose. Gut erkennbar sind die Verschattungen (die hellen Areale) aufgrund der Bindegewebsvermehrung und Verschwielungen in beiden Lungenflügeln.

Quarzfeinstaub in der Baubranche

In Österreich ist fast jeder Beschäftigte im Baugewerbe dem Arbeitsstoff Quarzfeinstaub ausgesetzt. Der Grenzwert für Quarzfeinstaub wurde im Jahr 2020 um zwei Drittel gesenkt, von 0,15 mg/m3 MAK-Wert auf 0,05 mg/m3 MAK-Wert als Tagesmittelwert (vgl. Grenzwerteverordnung 2021). Zusätzlich wurde der Quarzfeinstaub als eindeutig krebserzeugend eingestuft.

Gleichzeitig wurde die Verordnung über die Gesundheitsüberwachung am Arbeitsplatz (VGÜ) in Bezug auf Quarzfeinstaub angepasst. Dadurch ergeben sich für die Arbeit auf Baustellen mehrere Änderungen. In der Arbeitsvorbereitung von Bauunternehmen sind bereits entsprechende Maßnahmen einzuplanen bzw. durch Koordinatoren nach BauKG erforderlichenfalls kollektive Maßnahmen zum Schutz und der Sicherheit von Arbeitnehmern vorzusehen. Als Information werden die Erläuterungen zu den gesetzlichen Vorgaben zur Verfügung gestellt, um die Verantwortlichen in den Unternehmen auf Gefahren durch Quarzfeinstaub zu informieren und zu sensibilisieren.

Im Jahr 2021 führt die Arbeitsinspektion aufgrund dieser Novellierung einen Schwerpunkt für Quarzfeinstaub durch. Die Ziele dieser Schwerpunkt-Aktion sind wie folgt:

  • staubarme (staubfreie) Arbeitsweise auf Baustellen
  • Reduktion oder Vermeidung von Quarzfeinstaub

Hohe Dunkelziffer bei beruflichen Erkrankungen

In Österreich sind zirka 95.000 Menschen regelmäßig Quarzfeinstaub ausgesetzt. Die Zahl der anerkannten Berufskrankheiten durch Quarzfeinstaub geht nur langsam zurück und liegt bei etwa 30 bis 40 pro Jahr (davon verläuft 1/3 bis 1/2 tödlich). Zumal nicht jede Silikose als solche erkannt wird, ist die Dunkelziffer um einiges höher.

Sie wollen noch mehr zum Thema „Quarzfeinstaub als krebserzeugender Arbeitsstoff“ wissen?

Das Merkblatt der AUVA liefert Informationen zu Zusammensetzung, Vorkommen und Gesundheitsgefährdung durch Quarzfeinstaub sowie zur Analyse und Messung des Quarzgehaltes im Staub. Für den Arbeitnehmerschutz erforderliche Maßnahmen und gesetzliche Vorschriften werden übersichtlich aufgelistet.

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